Zur Zeit, als Maxentius Kaiser von Rom war, lebte in Kleinasien ein heidnischer Fürst mit Namen Dioskorus, der war zornmütig und grausam und hatte nur eine gute Eigenschaft, die Liebe zu seiner Tochter Barbara. Das Kind war schön und klug, wie kaum ein zweites, und je mehr das Mädchen heranwuchs, desto schöner wurde es.

Der Vater ließ seine Tochter nicht unter die Menschen gehen, damit sie verschont bliebe von der Bosheit der Menschen und allem Leid der Welt. Er ließ einen Turm mit schönen Kammern erbauen; darin verwahrte er sie wie eine kleine Gefangene. Aber Barbara fühlte diese Gefangenschaft nicht, denn der Vater bestellte ihr weise Lehrer, die mussten sie in allen Künsten und Wissenschaften lehren. In ihrer Einsamkeit sah sie oft sinnend auf zu den Sternen am Himmelszelt, und ihr Herz stellte die Frage nach dem Ursprung der Welt und alles Geschaffenen; die Antworten der heidnischen Lehrer konnten sie nicht befriedigen, und ihr Herz suchte den lebendigen Gott, der die Erde und den Himmel mit Liebe und Erbarmung umfasst. Man weiß nicht, wer solchen Glauben in ihren Turm getragen hat,aber sie wurde in aller Stille eine Christin.

 Da sie nun zur Jungfrau erblüht war, kamen die Königssöhne und hielten um ihre Hand an; denn sie hatten von der Schönheit und Lieblichkeit des verborgenen Königskindes viel Wundersames vernommen. Dioskorus hätte gern seine Tochter mit einem Prinzen vermählt; denn sein Herz hing an Ehre und Ruhm, doch Barbara lehnte alle Anträge ab und wollte nur ihrem Bräutigam Christus leben.

 Darüber ward der Vater zornig und sprach: „Du bist noch jung an Jahren, darum will ich dir Bedenkzeit gewähren; wenn ich aber übers Jahr von meiner Fahrt heimkehre, will ich deine Hochzeit bestellen." Weil es ihm aber leid war, daß er so hart gegen sein Kind sein sollte, bestellte er die Handwerker, die sollten in den Turm eine neue Kammer mit zwei Fenstern und mitten innen einen Springbrunnen mit einem großen Wasserbecken einrichten; damit gedachte er, Barbara zu erfreuen und sie seiner väterlichen Liebe zu versichern. Als er solches alles angeordnet hatte, reiste er über Land.

Da nun der Vater ferne war, bat Barbara die Bauleute, sie möchten doch drei Fenster in die Mauer brechen, denn sie dachte bei sich: „So Gott will, soll dies meine Taufkapelle werden; und weil es drei sind, die die Welt erleuchten, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, soll auch diese Kapelle von drei Fenstern erhellt werden, damit ich stets an die Heilige Dreifaltigkeit gemahnt werde." Gott erfüllte ihres Herzens Wunsch, und Barbara empfing durch einen Priester in der Kapelle die Taufe.

Ein Jahr war darüber hingegangen, da kehrte Dioskorus von seiner Fahrt zurück und hoffte, seine Tochter willig zu finden. Von weitem sah er die drei neuen Fenster im Turm und wunderte sich, und als er angelangt war, stellte er zunächst die Bauleute und hernach Barbara zur Rede, die ihm ohne Furcht gestand, dass sie getauft sei. Da sah sich der Vater um alle Hoffnungen betrogen, und ein furchtbarer Zorn übermannte ihn. Er eilte selbst zum Richter und sprach: „Meine Tochter ist eine Christin geworden und hat mir damit eine große Schmach angetan; peinige sie, damit sie von ihrem Irrtum ablasse!“ 

Der Richter ließ Barbara vor sich führen, und da er sah, wie schön und lieblich sie war, hatte er Mitleid mit ihr und sprach: „Rette dich selbst, Barbara, und opfere den Göttern!" Aber sie entgegnete, dass sie niemandem opfern wolle als nur ihrem Herrn Jesus Christus. Da ließ der Richter sie geißeln und ins Gefängnis werfen; doch Barbara blieb standhaft, und alle Martern fruchteten nichts. Zuletzt ward sie von ihrem eigenen Vater mit dem Schwert gerichtet. Den Vater erschlug unmittelbar nach der Untat der Blitz.

Die alte Kirche nahm Barbara unter die Zahl ihrer Heiligen auf, ihr Zeichen ist der Turm mit den drei Fenstern. In dieser innigen Christusminne ist sie eine rechte Adventsbotin. Kirschzweige, die man am 4.Dezember schneidet und ins Wasser stellt, blühen am Christtage. Sie ist nicht nur eine der 14 Nothelfer der katholischen Glaubenswelt, sondern gilt sogleich als Schutzpatronin der Bergleute, die für sie am Barbaratag ein Licht im Stollen brennen lassen, Gefangenen, Glöckner, (viele Kirchenglocken tragen ihren Namen), Architekten, Artilleristen und Waffenschmiede.

                                        

                                                 zurück